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Heiliges Tal und Machu Picchu

Heiliges Tal und Machu Picchu

Ich sitze im Bahnhof in Aguas Calientes, warte auf das Boarding zurück nach Ollantaytambo, verdrücke eine Freudenträne und denke: „Wow – ich bin sooooo glücklich! Was ich in den letzten Tagen erleben durfte war einfach der Wahnsinn!!!“

Während vier Tagen gab mir Huber, mein peruanischer Guide, im Heiligen Tal einen Einblick in die Kultur der Inka und als Höhepunkt besuchten wir Machu Picchu. Es war ein spezieller Moment, da oben zu stehen und auf die Ruinenstadt zu schauen. Was die Inka vor Hunderten von Jahren geschaffen haben, ist nicht nur eindrücklich, es ist phantastisch!

Ich bin so dankbar, dass ich dies erlebten durfte! Alle Zweifel, ob ich die Wanderungen und das Sightseeingprogramm wirklich machen soll, sind verschwunden!

El Valle Sagrado de los Inca

Das Heilige Tal ist quasi das Eingangstor zu Machu Picchu. Von Cusco fuhren Huber und ich mit dem Mietauto nach Pisac. Zwischen steilen Abhängen und hohen Bergen schlängelten wir uns dem Dorf entgegen. Unterwegs stoppten wir an wunderschönen Aussichtspunkten

und bei einer Lama -/Alpakafarm. 

In Pisac angekommen fuhren wir den Berg hinauf um das ursprüngliche Inka Dorf zu besichtigen. Hoch oben thront ein Zeremonien-Zentrum, dessen Mauern und Häusern noch heute sichtbar sind.

Eindrücklich waren für mich die unzähligen Terrassen, auf denen Landwirtschaft betrieben wurde und durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem fruchtbar gemacht wurden.

Hinter der Anlage sind in den Felswänden hunderte Löcher zu sehen. „Was meinst du für was das genutzt wurde?“, wollte Huber von mir wissen. Vielleicht zum Lagern der Produkte, die die Inka geerntet haben? Weit gefehlt. Es ist einer der grössten Inka-Friedhöfe und die Löcher sind die Zugänge zu den Gräbern. Schon ein bisschen gruselig!

Die Aussicht zu den umliegenden Bergen und Tälern ist phantastisch! Das Donnergrollen liess uns dann aber nicht länger verweilen und wir kehrten zurück ins Tal. In Pisac gibt es einen hübschen Souvenirmarkt. Am Sonntag würde sich ein Besuch besonderes lohnen, denn dann kommen die indigenen Bewohner der umliegenden Höfe um ihre Waren zu verkaufen und zu tauschen. Aber auch unter der Woche war der Markt ein Besuch wert; nur schon um die vielen farbigen Stoffe zu bewundern. Mitten im Dorf gibt es eine riesen grosse Holzofenbäckerei, wo wir eine feine Empanada probierten. Herrlich – frisch aus dem Ofen! Nebenan „warteten“ die Meerschweinchen auf ihre letzte Fütterung bevor sie auf dem Grill oder im Ofen landen. Meerschweinchen ist hier eine Spezialität, die ich (noch) nicht probiert habe.

Weiter geht’s nach Ollantaytambo

Während der Fahrt erzählte mir Huber von seinem Leben, wie er aufgewachsen ist und von seinem Job als Tourguide. Er ist nur ein Jahr jünger als ich. Aber wenn ich ihn von seiner Kindheit reden höre, merke ich, dass Welten zwischen meiner und seiner Kindheit liegen. Ich bin dankbar, dass ich eine behütete Kindheit hatte und nicht schon in jungen Jahren hart arbeiten musste!

Die Zeit verging wie im Flug und schon erreichten wir Ollantaytambo. Die Inkastätte ist als religiöses, astronomisches und administratives Zentrum der Inka bekannt. Von unten blickten wir zur Festung hinauf.

Die Touristen kämpften sich die steilen Treppen hinauf.  „Weisst du, dass wir sagen, dass die Schweiz die Botschaft des Himmels ist? – Hier sind die Treppen zum Himmel.“ Hmmmm – der Aufstieg ist nicht gerade himmlisch. Ausser Puste schaffe ich es die steilen Treppen hinauf. „High five – you’ve got it!“ strahlte mich Huber an, als ich den Aufstieg geschafft hatte.

Der Ausblick auf Ollantaytambo ist phantastisch. Gegenüber der Anlage blickt man auf die Vorratsspeicher der Inka. Aufgrund des optimalen Klimas wurden dort Lebensmittel gelagert.

Eine überflutete Strasse ist kein Hindernis

Nach einer kurzen Nacht – im Dorf fand ein lautstarkes Fest statt – fuhren wir mit einem öffentlichen Bus Richtung Santa Teresa. Die Fahrt führte uns über eine Serpentinenstrasse hoch auf über 4000 Meter über Meer. Ich denke gerade, dass die Strassen den Schweizer Passstrassen ähneln, als Huber sag: „Ihr habt sicher keine solchen Strassen. Bei euch gibt’s doch nur Tunnels durch die Berge.“ Ich lache und erzähle ihm von der alten Gotthardstrasse und den anderen Passstrassen.

Das Wetter ist recht durchzogen. Es regnet oder nieselt immer wieder und die dicken Wolken hängen tief über den Felsen. Nach gefühlt hundert Serpentinen stoppt unser Fahrer abrupt. Wir schauten durch die Frontscheibe und sahen einen reissenden Fluss vor uns. „Das hab ich mir schon fast gedacht,“ murmelt mein Guide neben mir. Ich schaute ihn ein bisschen entgeistert an. „Ja, wenn es so regnet wie gestern und heute, dann kann es schon mal vorkommen, dass die Strassen überflutet sind.“ Wir stiegen aus, um das Ausmass der Überflutung mit eigenen Augen zu sehen. Ein reissender Fluss überquerte die Strasse. Ein Weiterkommen war nicht möglich. Und jetzt?

 

Als es wieder anfing heftiger zu regnen gingen wir zu unserem Bus zurück und warteten. Ein besonders mutiger Lastwagenchauffeur versuchte sein Glück und überquerte von der anderen Seite den Fluss. Kurz darauf stiegen einige Männer ins Wasser und versuchten die grossen Steine, die der Fluss angeschwemmt hatte, zur Seite zu schieben. „Wenn die Männer nicht davon geschwemmt werden, sollte es eigentlich möglich sein, den Fluss mit dem Bus zu überqueren“, hörte ich unseren Fahrer sagen. Tollkühn überholte er die Autoschlange und wollte zur Überquerung ansetzen. Just in dem Moment hatte eine andere Touristin in unserem Bus einen hysterischen Anfall. Sie wolle jetzt sofort aussteigen, sie wolle nicht hier sterben, das gehe nie und nimmer gut. Sie packte ihre Sachen und ihren Freund und sprang aus dem Bus. Unser Fahrer war nicht sicher, was er von der ganzen Aktion halten sollte. Nach einigen Augenblicken überquerte ein anderer Bus vor uns erfolgreich den Fluss. Dies war für unseren Fahrer das Zeichen, es selber zu versuchen. Er rollte langsam an, als die hysterische Lady angesprungen kam und doch wieder einsteigen wollte.

Ich schloss die Augen und betete, dass es gut geht. Wirklich wohl bei der der ganzen Sache war mir nicht. Aber wem ist geholfen, wenn ich auch noch anfange zu schreiben und hysterisch herum zu wirbeln?!

Eins, zwei, drei und drüben waren wir. Mein Guide schaute mich an und fragte, ob alles in Ordnung sei. In Ordnung? Mein Herz klopfte wie wild, aber wir haben es heil überstanden. Booooaaah – was für eine Aufregung! Unser Fahrer nahm „die Füsse in die Hinterhand“ und raste die restliche Strecke nach Santa Teresa, was nicht gerade zum Wohl für meinen Magen war.

Hotsprings in Santa Teresa

Santa Teresa ist nur ein Durchgangsort auf dem Weg zum Machu Picchu. Da wir aber Zeit hatten, wanderten wir die steinige Strasse hinunter zum Fluss bis zu den Thermalquellen. Unterwegs zeigte mir Huber verschiedene Pflanzen, unteranderem die wild wachsenden Orchideen. Wow – so schön!!

Wir verbrachten Stunden in dem angenehm warmen Wasser. Redeten über Gott und die Welt, unser Pläne oder eben unser „Nicht-Pläne“ und genossen das warme Wasser! Santa Teresa hat sonst wirklich nichts zu bieten. Nach einem typischen Nachtessen – Poulet, Reis und Pommes – und einer Flasche Wein ging’s bald ins Bett, damit wir am nächsten Tag fit für die Wanderung sind.

Wanderung von Hidroelectrica nach Aguas Calientes

Morgens vor 7 Uhr haben noch die wenigstens Restaurants geöffnet und so besuchten wir den Markt, wo wir ein typisches Frühstück mit Reis, gebratenen Bananen (mmmmhhh – ich liebe sie!!) und Poulet vorgesetzt bekamen. Mit dem Collectivo – einem Sammeltaxi – fuhren wir dann die holprige Strecke weiter von Santa Teresa nach Hidroelectrica.

Am Bahnhof stiegen wir aus, aber nicht um in den Zug zu steigen, sondern um den Bahngleisen entlang nach Aguas Calientes zu wandern. Es ist eine schöne Wanderung mitten durch die Natur. Abgesehen von vereinzelten Wanderern, die uns entgegenkamen und den Zügen, die uns überholten, war es herrlich idyllisch und ruhig.

Wir kamen früher als geplant in Aguas Calientes an und hatten so Zeit ein Hostel zu suchen und ein bisschen zu entspannen. Die Entspannung hatte ich dringend nötig, denn wie angeworfen hatte ich Schmerzen in der Nierengegend und ich wusste nicht mehr, ob stehen, sitzen oder liegen besser wäre. Die Vorfreude auf Machu Picchu war getrübt und ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt noch da hoch möchte.

Mehrere Schmerztabletten und ein Mittagessen später fuhren wir dann doch mit dem Bus hoch hinauf. Über eine steile Treppe erreichten wir die erste Plattform, von wo aus wir auf die Ruinen schauen konnten. Wenn man so eine bekannte Stätte besucht, macht man sich ja Gedanken, wie es sein könnte. Der Anblick hat alles, was ich mir vorgestellt habe, bei weitem übertroffen und die Schmerzen – so schlimm sie waren – waren vergessen!

Huber erzählte mir die verschiedenen Theorien, weshalb die Inka diese Stadt gebaut haben. Es bestehen keine Überlieferungen oder wissenschaftliche Aufzeichnungen. Es konnte nur auf Grund der archäologischen Funde mehr oder weniger begründete Vermutungen angestellt werden.

Die Inka-Stadt wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Jährlich besuchen tausende Touristen diese Sehenswürdigkeit. Wir hatten absolutes Glück, zum einen mit dem Wetter und zum anderen hatte es nur sehr wenige Touristen, die mit uns das Gelände erkundeten. Die Zeit verging wie im Flug und absolut happy fuhren wir zurück nach Aguas Calientes.

 

Terrassen in Moray und Maras

Der letzte Tag stand im Zeichen der „Terrassen“. Nachdem mich Huber am Bahnhof von Ollantaytambo abgeholt hat – ich genoss mit Inka Rail die Zugfahrt von Aguas Calientes nach Ollantaytambo – fuhren wir nach Moray zu den Salzterrassen.

In einem Steilhang liegt das Labyrinth mit den über 3000 Salzbecken. Das Weiss hebt sich wunderschön von den grün, braunen Felswänden ab.

Die Salzbecken werden von verschiedenen Familien bewirtschaftet, die damit versuchen ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Es ist eine Knochenarbeit, in dem steilen Hang die Becken zu bewirtschaften.

Unsere Fahrt führte uns von Maras nach Moray, wo wir die kreisförmigen Terrassenanlagen besichtigten. Die Temperaturen und Mikroklimas auf den verschiedenen Stufen unterscheiden sich markant und so haben die Inkas hier vermutlich landwirtschaftliche Experimente durchgeführt.

In Peru gibt es über 3000 verschiedene Kartoffelarten. Es wird angenommen, dass die Inkas in Moray experimentiert haben um Kartoffeln in höheren Lagen anbauen zu können.

Chinchero

Zum Abschluss der vier Tage besuchten wir die kleine Stadt Chinchero, die etwa 30 Kilometer nordwestlich von Cusco auf 3760 Metern über Meer liegt. Speziell an diesem Ort ist die Kirche, deren Fundamente von den Inka stammen. Von aussen ist die Dorfkirche unscheinbar und fast ein bisschen langweilig. Drinnen aber überraschen riesige Gemälde und reich dekorierte Wände. Speziell ist auch, dass die Messe bis heute in der indigenen Sprache Quechua gehalten wird.

Der Ausblick vom Kirchplatz auf die schneebedeckten Gipfel der Cordillera Vilcambamba lässt mich an meine Aussicht von Mühlethurnen aufs Berner Oberland denken. Ein bisschen Fernweh kommt auf.

Die vier Tage vergingen wie im Flug. Ich habe so viel gesehen, erlebt und erfahren, man könnte ganze Bücher füllen. Ich kann jedem nur empfehlen, sich für solche Orte einen Guide zu nehmen. Man erfährt so viel mehr, als wenn man alleine unterwegs ist oder sich auf die Meinung eines Reisebuchs beschränkt.

Ein letzter Blick hinunter ins Heilige Tal und die umliegenden Berge.

Chrige

Chrige

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